U-Bahnhof Unter den Linden, Berlin

Weißer TERRAPLAN-Boden mit Beton der Lichtner-Dyckerhoff


Nach rund zehn Jahren Bauzeit ging im Dezember 2020 in Berlin die Verlängerung der U-Bahn-Linie 5 in Betrieb. Mit ihr wurde auch der U-Bahnhof „Unter den Linden“ fertiggestellt, einer von drei neuen Bahnhöfen und direkt unter Berlins Prachtboulevard gelegen. Auf über 5.000 Quadratmeter Bodenfläche kam hier auf drei Stockwerke verteilt ein innovativer TERRAPLAN-Boden zum Einsatz. Mit seiner Materialität und seiner Optik hilft er, die Gestaltungsideen der Architekten optimal umzusetzen und macht aus dem neuen U-Bahnhof eine moderne „Kathedrale des Verkehrs“.

„Ab durch die Mitte“ – so heißt es jetzt bei der Berliner U-Bahn. Der Streckenneubau der U5 in der Mitte Berlins schließt die Lücke zwischen dem Brandenburger Tor und dem Alexanderplatz und beendet die Geschichte der Stummel-U-Bahn-Linie U55, der sog. "Kanzler-U-Bahn". Neben den beiden, jeweils 1,6 Kilometer langen Tunnelröhren wurden auch die Bahnhöfe Rotes Rathaus, Museumsinsel und Unter den Linden gebaut. An der Museumsinsel fahren die Züge bis zum nächsten Sommer aber noch durch. Der Bahnhof ist noch nicht ganz fertig.


Ein moderner Bahnhof der Wissenschaften
Seit Ende 2020 fertig ist dagegen der U-Bahnhof Unter den Linden. Er befindet sich direkt unter dem Berliner Prachtboulevard, der vom Brandenburger Tor bis zur Schlossbrücke und dem Berliner Dom führt. Der neue Kreuzungs- und Umsteigebahnhof verfügt über drei Ebenen. In der obersten Ebene fährt die U-Bahnlinie 6 in nord-südlicher Richtung. Die mittlere Ebene ist eine Verteilerebene, über die man zwischen beiden Linien umsteigen kann. In der untersten Ebene fährt schließlich die U-Bahnlinie 5 in Ost-West Richtung. Geplant wurde die neue, besonders helle und großzügige „Verkehrskathedrale“ Unter den Linden von den Architekten Ingrid Hentschel und Professor Axel Oestreich, die zuvor bereits den U-Bahnhof Brandenburger Tor gestaltet haben. Daher liegt der Gestaltung ein ähnliches Konzept zugrunde und es werden die gleichen Materialien verwendet: Bayerischer Muschelkalk für die Wände, weißer Terrazzo für die Fußböden und dazwischen schwarze, tragende Säulen.

Da der Berliner Senat zwei der neuen Bahnhöfe - darunter auch den Bahnhof Unter den Linden - zu werbefrei gestalteten Themenbahnhöfen erklärt hatte, übernahm die Humboldt Universität als direkte Nachbarin des Bahnhofs die Gestaltung der Hintergleiswände und bespielt sie mit einer außergewöhnlichen Ausstellung zu den Wechselwirkungen von Mensch und Natur. 16 große Tafeln mit Wimmelbildern der Berliner Grafikerin Nele Brönner visualisieren dabei auf spielerische Art die wichtigsten Fragestellungen mit denen sich die Wissenschaft im Anthropozän, dem vom Menschen geprägte geologische Zeitalter, auseinandersetzt. So präsentiert sich der Bahnhof Unter den Linden als ein moderner Bahnhof der Wissenschaften, der Wissenschaften in den Alltag der Menschen bringen soll.


TERRAPLAN: Die perfekte Kombination aus Optik und Funktionalität
Die Hauptbauarbeiten für den neuen Kreuzungsbahnhof begannen bereits im August 2012. Die rund 64.000 m³ Baugrube für den U-Bahnhof Unter den Linden wurde, genau wie beim U-Bahnhof Rotes Rathaus, in Wand-Sohle-Deckel-Bauweise errichtet. Nachdem im November 2017 der Bahnhofs-Rohbau abgeschlossen werden konnte, begann unmittelbar danach mit dem Einbringen von Schotter und dem Verlegen von Gleisen der Ausbau. Anschließend erfolgte die vom Architekten geplante Innengestaltung für Böden, Wände und Beleuchtung.

Der Grundgedanke der Architekten war es, einen - trotz seiner Größe und insbesondere seiner enormen Tiefe von 12 Metern - weitgehend offen wirkenden Raum zu erzeugen. „Freie Durchblicke und klare Orientierung für den Nutzer“ - so beschreibt der Architekt Prof. Axel Oestreich die Charakteristika des großräumigen U-Bahnhofs. Entstanden ist dabei eine riesige und dennoch helle „Kathedrale des Verkehrs“ direkt unter Berlins Prachtboulevard Unter den Linden. Zur von den Planern angestrebten möglichst zeitlosen Architektur gehören auch Materialen, die überdauern. Dazu zählt neben Sichtbeton und dem in vielen Bereichen dominierenden bayerischen Muschelkalk auch der auf den Bahnsteigen verbaute TERRAPLAN-Boden.

Das monolithische Betonbodensystem ist auf Grund seiner feinen und ebenen Oberfläche sowie seinen großen fugenarmen Feldern optisch dem klassischen Terrazzo sehr ähnlich. Ein System, das viele Vorteile hinsichtlich der Lebensdauer, der Ebenheit sowie der Reinigungskosten aufweist und sich daher speziell für Böden in öffentlichen Gebäuden wie Museen, Messehallen u.ä. eignet. Oder wie hier einen stark frequentierten Bahnhofsbereich, der täglich von bis zu 50.000 Fahrgästen genutzt wird. Das Material für den Betonboden wird im Transportbetonwerk gemischt und im Fahrmischer auf die Baustelle gebracht. Dort lässt es sich mit Hilfe moderner Maschinentechnik schnell und wirtschaftlich einbauen. Nach dem Einbringen und Glätten härtet der Boden aus, anschließend erfolgt der Schliff mit speziellen Maschinen.


In Berlin wurde der TERRAPLAN-Boden in einer Konstruktionshöhe von acht cm eingebaut. Eine besondere Herausforderung bestand darin, das Material über drei Stockwerke zu pumpen und auf den rund 130 Meter langen Bahnsteigen zu verteilen. Gefordert waren zudem große Felder mit nur wenigen Fugen. Zum Einsatz kamen 308 m³ Transportbeton der Festigkeitsklasse C35/45, geliefert zwischen Ende 2018 und Anfang 2020 vom Werk Reinickendorf der Lichtner-Dyckerhoff. Um die von den Architekten angestrebte Helligkeit des gesamten Raumes zu unterstützen, wurde der TERRAPLAN-Boden auf Basis von Dyckerhoff WEISS FACE (CEM I 42,5 R (dw)) aus dem Werk Amöneburg hergestellt - in den beiden Farbtönen weiß und schwarz.

Bei dem weißen, den Boden prägenden Farbton kam Perlweiß in einer Korngröße 0-8mm zum Einsatz sowie weiß-schwarz gesprenkelter Granitsplitt. Bei den, die Bahnsteige gliedernden schwarzen Streifen, arbeitete man dagegen mit einem schwarzen Pigment. Die Oberfläche wurde feingeschliffen ausgeführt. Der gesamte Einbau des ebenso schönen wie strapazierfähigen TERRAPLAN-Bodens auf einer Fläche von insgesamt 5.000 m² erfolgte im Zeitraum vom Juni 2018 bis März 2020 durch die Firma R. Bayer Betonsteinwerk aus Blaubeuren.

Titelfoto: Antonio Reetz-Graudenz; alle weiteren Fotos: Maximilian Meisse